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"Gehört der „Islamische Staat“ auch zum Islam?"

22.04.2015, Haus am Dom, Minden
Referent: Prof. Dr. Dr. Peter Antes

Prof. Dr. Peter Antes sprach auf Einladung des Katholischen Bildungswerkes und des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes am Mittwoch, den 22. 4. im Haus am Dom über das Thema: „Gehört der 'Islamische Staat' auch zum Islam?“.

Zu Beginn seines Vortrages klärte Antes den Begriff „Djihad“. Er bedeute etwa „Anstrengung“, „Engagement“, „Kampf (für eine gute Sache)“ und werde in vielen Zusammenhängen verwendet: der sog. „Große Djihad“ könne z.B. in Fasten, Gebet, spirituellen Übungen und Taten der Nächstenliebe bestehen. Der „Kleine Djihad“ bezeichne die göttliche Pflicht des Muslim zur Verteidigung des „Hauses des Islam“ in feindlicher Umgebung. Sie gehe allen anderen Pflichten (etwa der Einhaltung des Ramadan) voran, sogar der Bewahrung des eigenen Lebens, und könne auch Krieg beinhalten. Wer im „Heiligen Krieg“ falle, gelte als Märtyrer und komme direkt ins Paradies. Diese Form des Djihad können nur von einem Kalifen ausgerufen werden. Nach der Abschaffung des Kalifats im 20. Jahrhundert gebe es keine zentrale Institution des Islams mehr. Seitdem dürfe der Djihad nachAuffassung der Mehrheit der Muslime nur von Staaten, keinesfalls aber von irgendwelchen selbsternannten Führern, ausgerufen werden. Er gerät dadurch jedoch in die Sphäre politischer Interessen. Al-Baghdadi, der Führer des Islamische Staates, halte den Islam, wie er von den islamischen Staaten praktiziert werde, für korrumpiert durch die Politik und leite daraus das Recht ab ein neues Kalifat zu errichten und den Djihad auszurufen. Fanatiker wie er lebten in einer Art Endzeitstimmung (wie es sie auch bei christlichen Fundamentalisten gebe) und wirkten nach eigener Ansicht für die totale Unterwerfung (Islam) der Menschheit unter Gott (Allah). Sie beriefen sich auf zwei oder drei Koranverse und blendeten dafür 50 aus, die für Toleranz und Versöhnung sprächen. Man müsse aber – auch nach muslimischer Auffassung – den Koran als Ganzes sehen und die Situationen beachten, in die hinein einzelne Verse gesprochen seien; auch dem Neuen Testament werde man nicht gerecht, wenn man es allein von einem Jesuswort wie „Ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ her verstehen wolle. Die große Mehrheit der Muslime müsse deutlich von den (radikalen) Islamisten unterschieden werden. Die Radikalität der Islamisten resultiere nicht zuletzt aus dem Gefühl Verlierer und Opfer der Modernisierung zu sein; sie missbrauchten den Islam auf ihrer Suche nach Einfachheit und Eindeutigkeit angesichts einer immer komplexer werdenden Welt.

(Tilmann Hitzler-Spital - Text und Foto)   

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