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"Gott will es! - Über das Verhältnis von Religion und Gewalt."

19.08.2015, Petri-Kirche, Minden
Referent: Dr. Daniel Deckers

„,Gott will es!' - über das Verhältnis von Religion und Gewalt“ - zu diesem Thema sprach am Mittwoch, den 19. August, Dr. theol. Daniel Deckers, Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ für das Ressort „Gegenwart“, in der Petrikirche. Katholisches Bildungswerk und Evangelisches Erwachsenenbildungswerk hatten zu der Veranstaltung eingeladen.

Deckers richtete sein Hauptaugenmerk auf Christentum und Islam. Aus beiden Religionen nannte er Beispiele für Aussagen, die, aus ihrem historischen oder literarischen Zusammenhang gerissen, Gewalt legitimiert haben oder noch legitimieren: für das Christentum das Bibelwort „zwinge sie einzutreten“ (Lk.14,23) und den so genannten Schwertvers aus dem Koran („...töte die Polytheisten, wo ihr sie trefft...“). Dem stellte er die Gewalt einhegende Funktion von Religion gegenüber: So könnte man sogar die mittelalterlichen Hexenprozesse verstehen als den Versuch, ungezügelte Gewalt gegen „Hexen“ durch Verrechtlichung zu zügeln.

Ob eine Welt ohne Religion friedlicher wäre, sei nach den Gewaltexzessen des Stalinismus und des Nationalsozialismus im vergangenen Jahrhundert, die sich unter anderem auch gegen die Religion gerichtetet hätten, sehr zweifelhaft.

Wenn Gewalt im Namen von Religion verübt werde, müsse man genau zusehen, ob, „wo Religion draufstehe, auch Religion drin sei“. Allzu oft seien territoriale, machtpolitische oder auf Rohstoffe (Öl) gerichtete Interessen oder auch das Gefühl, von Wohlstand und Fortschritt ausgeschlossen zu sein, die eigentlichen Triebkräfte von Auseinandersetzungen, die als Religionskriege verkauft würden. Religion eigne sich – vor allem in Gesellschaften mit niedrigem Bildungsstand – hervorragend als Legitimierung, „Rahmung“ für gewaltsame Auseinandersetzungen, sei aber eher „Brandbeschleuniger“ als „Brandursache“. So hätten die gegenwärtigen Christenverfolgungen in muslimischen Ländern vielfach damit zu tun, dass die meist gebildeteren und sozial erfolgreicheren Christen vielfach Parteigänger der autoritären Regime (Saddam Hussein, Assad, Sisi) gewesen seien, weil sie diese als Garanten für ihre Sicherheit angesehen hätten.

Was die Möglichkeit Gewalt religiös zu legitimieren angehe, müsse man die einzelnen Religionen differenziert betrachten; im Islam liege sie relativ nah. Andererseits sei die Gewaltideologie des „Islamischen Staates“ in diesem Jahr von 120 führenden islamischen Gelehrten aus aller Welt als unislamisch verurteilt worden, und in großen vom Islam bestimmten Ländern wie Indonesien und die Philippinen herrsche ein toleranter Islam vor.
Man müsse sich, so Deckers, in diesem Zusammenhang vor einer „Identifizierungsfalle“ hüten: Muslime sähen vielfach westlichen Kolonialismus und Imperialismus als christlich an, und Europäer, die vor 20 Jahren noch zwischen Türken und Arabern differenziert hätten, neigten heute dazu alle Muslime über einen Kamm zu scheren und Islam und Terrorismus nah beieinander zu sehen („Nicht jeder Muslim ist Terrorist, aber jeder Terrorist ist Muslim“).

Insgesamt forderte Deckers für das Problemfeld Religion und Gewalt differenzierendes Denken, politische Lösungen für politische Probleme, Respekt vor derAutonomie der Religionen gegenüber Staat und Gesellschaft, interreligiösen Dialog und Aktivierung des Friedenspotentials der Religionen, vor allem aber die Förderung von Bildung als Immunisierung gegen „Religiöse Parolen“.

(Tilmann Hitzler-Spital - Text und Foto)  

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